Altenberger und Baumberger Stein – eine Gegenüberstellung

Altenberger Stein und Baumberger Stein - eine Gegenüberstellung
Abb.: Gegenüberstellung von Altenberger Stein (links) und Baumberger Stein (rechts) aus der Fensterbank des Museums

Die Gesteine aus Altenberge und den Baumbergen sind zwar regional eng benachbart, sie unterscheiden sich aber schon auf den ersten Blick deutlich. Um die Unterschiede sichtbar zu machen, wurden im Institut für Mineralogie der Universität Münster exemplarisch von zwei typischen Gesteinsproben Dünnschliffe hergestellt und unter dem Polarisationsmikroskop analysiert.

Altenberger Stein, typischen Gesteinsproben Dünnschliffe (Polarisationsmikroskop, ohne Nicols) Baumberger Stein, typischen Gesteinsproben Dünnschliffe (Polarisationsmikroskop, mit Nicols)
Altenberger Stein, typischen Gesteinsproben Dünnschliffe (Polarisationsmikroskop, ohne Nicols) Baumberger Stein, typischen Gesteinsproben Dünnschliffe (Polarisationsmikroskop, mit Nicols)

Abb.: Übersichtsaufnahmen Altenberger Stein (links) und Baumberger Stein (rechts). Polarisationsaufnahmen (grau: ohne Analysator, farbig: mit Analysator)

Ausgangspunkt des Vergleichs Altenberge - Baumberger Stein

Während der gelbe und weiche Baumberger Sandstein für Künstler und Steinmetze als Qualitätsprodukt bekannt ist, gilt der Altenberger Stein als verwitterungsbeständig und wurde gern als Baumaterial eingesetzt. Interessiert hat uns, in wieweit sich dieser Unterschied auch in Zusammensetzung und Aufbau der Gesteine nachweisen lässt.

Verglichen wurden Gefüge, der Anteil an Fossilien, an umkristallisiertem Kalk, an Glaukonit- und Quarzkörnern.

Altenberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme(Polarisationsmikroskop, ohne Nicols) Baumberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme (Polarisationsmikroskop, mit Nicols)
Altenberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme(Polarisationsmikroskop, ohne Nicols) Baumberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme (Polarisationsmikroskop, mit Nicols)

Abb.: Detailaufnahmen Altenberger Stein (links) und Baumberger Stein (rechts). Polarisationsaufnahmen (grau: ohne Analysator, farbig: mit Analysator)

Vergleich allgemeiner Gefügemerkmale

In beiden Dünnschliffen findet man in einer Kalzit-Matrix (in der polarisationsmikroskopischen Aufnahme graublau) eingebettet zahlreiche Fossilbruchstücke und Quarzkörner. Vereinzelt sind in den Übersichtsbildern auch weitgehend erhaltene Fossilien (Foraminiferen) zu sehen. Der Vergleich zeigt, dass der Baumberger Stein einen höheren Anteil an sichtbaren Fossil-Bruchstücken aufweist, während der Altenberger Stein eine Matrix besitzt, die stärker aus umkristallisiertem Kalk (Kalzit) besteht.

Vergleich der Fossilien

In beiden Gesteinen bestimmen große Mengen an kleinen Fossilbruchstücken den Gesteinsaufbau. Die Bruchstücke im Altenberger Stein sind seltener scharfkantig begrenzt und die Substanz der Bruchstücke scheint stärker zerrieben oder aufgelöst zu sein im Vergleich zum Baumberger Stein. Vereinzelt sind gut erhaltene Foraminiferen zu erkennen (Abb. unten), die zum Teil bereits bestimmt wurden (Dr. Christiane Scholz, TFH, Bochum).

Altenberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme Fossilienbruchstücke (Polarisationsmikroskop, ohne Nicols)
Abb.: Altenberger Stein, Fossilien v. l. n. r.: Foraminifere, Seeigel-Stachel (Querschnitt) , Muschelbruchstück (Dr. C. Scholz, Bochum)

Baumberger Stein, Dünnschliff Detailaufnahme Fossilienbruchstücke (Polarisationsmikroskop, mit Nicols)
Abb.: Baumberger Stein, Fossilien v. l. n. r.: Foraminifere, 2 Seeigel-Stachel (Querschnitt) , Seeigelbruchstück (Dr. C. Scholz, Bochum)

Vergleich sonstiger Gemengteile

Neben den gut sichtbaren Bestandteilen Kalzit, Fossilbruchstücken und Quarzkörnern (leuchtend bunte Farben) findet man in der Matrix beider Dünnschliffe Körner von Glaukonit (in den Aufnahmen braun). Im Vergleich zum Altenberger Stein besitzt der Baumberger Stein einen deutlich größeren Anteil an Glaukonit.

Vergleich des Sandsteincharakters

Obwohl der Name Sandstein für beide regionale Gesteinsarten verwendet wird, trifft die Bezeichnung Sandstein nicht korrekt den petrographischen Charakter. Bei den hier untersuchten Gesteinen handelt es sich nicht um Sandsteine, sondern um Kalksteine mit einem untergeordneten Quarzanteil, der in Fossilzerreibsel und umkristallisierten Kalzit eingebettet ist. Nicht zuletzt verraten die unverkennbar im Sediment eingeschlossenen Fossilien (Foraminiferen, Seeigelstachel, Muschelbruch) den marinen Ursprung der Gesteine, die sich aus kreidezeitlichen Ablagerungen bildeten.

Zusammenfassung

Wenngleich umgangssprachlich die Gesteine dieser Region als „Sandstein“ bezeichnet werden, stimmt die petrographische Einordnung bei keinem der beiden. Vielmehr handelt es sich bei beiden um Kalkstein. Dennoch besitzen sie bemerkenswerte Unterschiede, die von Steinmetzen und Architekten gezielt eingesetzt werden. Während der höhere Anteil an umkristallisiertem Kalk und der geringere Anteil an Glaukonit den Altenberger Stein härter und verwitterungsbeständiger machen, ist es gerade der hohe Glaukonit-Anteil, der den Baumberger Stein farblich so attraktiv macht.